Es war einmal ein Huhn …

Huhni war ein sogenannter „Kümmerling“. Viel kleiner als die anderen. Huhni lebte rund 35 Tage zusammen mit tausenden Artgenoss:innen in einer stinkenden, dauerhaft künstlich-beleuchteten und lauten Tierfabrikshalle.

Für den Schlachthof zu klein, zu schwach, zu mager, zu wertlos - wurde Huhni zurückgelassen in der Halle, während die anderen Tiere in Kisten gestopft und in den Schlachthof gebracht wurden.

 

Durch einen glücklichen Zufall und durch liebe Nachbar:innen wurde für das "wertlose" Huhni ein Plätzchen gesucht - und gefunden. So kam sie zu uns. Sie war geschwächt und brauchte viel Wärme und Zuneigung.

Huhni suchte ständig unsere Nähe. Sie rannte piepsend von einem Raum zum nächsten, bis sie uns sah und dann setzte sich auf unseren Fuß um zu zeigen, dass sie hochgenommen werden wollte.

 

Wir kuschelten und frühstückten sogar zusammen. Wenn sie sehr nervös war, weil wir einige Zeit nicht in ihrer Nähe sein konnten, beruhigten wir sie mit Streicheln über ihr Gefieder, bis sie entspannt schnurrte. Wir legten die Hand über ihren kleinen Körper, wickelten sie in ein Handtuch und sprachen mit ihr, weil sie unsere Stimme hören wollte. Sie war sehr schlau und merkte sich innerhalb kürzester Zeit, wo in der Wohnung die Wasserschüssel stand und wo sie ihr Essen finden konnte.

Wir entwickelten zu diesem Tier sofort eine sehr starke Bindung. Während wir am Computer arbeiteten, saß Huhni auf unserer Schulter und schmiegte ihr Gesicht an unsere Wangen. In nur wenigen Stunden und Tagen erkannten wir unterschiedlichste Kommunikationsgeräusche. Es gibt nicht nur ein "Piepsen"! Für jede Gefühlslage gibt es ein eigenen "Gesang". Wir wissen erst jetzt, dass Hühner z. B. "schnurren“, wenn sie sich entspannen.

 

Huhni war gut drauf, aber wir merkten, dass sie müde war. Wir wussten auch, dass wir uns nicht Tag für Tag und rund um die Uhr um sie kümmern konnten. Deshalb brachten wir Huhni weiter zu einem kleinen Lebenshof, wo sie ein schönes Leben mit anderen Hühnern erleben sollte. Huhni bekam dort den Namen Emma. Sie hätte eine wunderschöne Zukunft vor sich gehabt, aber ihr Körper war nicht dafür geschaffen, lange zu leben. Trotz Geborgenheit konnte sie nicht mehr essen und trinken und verstarb bald in den Armen des Betreibers des Lebenshofes.

 

Ich war extrem traurig und musste weinen, weil ich dieses kleine Wesen in nur wenigen Tagen so stark in mein Herz geschlossen hatte. Huhni hat mir so viel Liebe gegeben und ich habe durch sie extrem viel gelernt. Es bricht mir das Herz, beim Gedanken daran, wie viele dieser fühlenden Lebewesen Tag für Tag in diesen Fabrikshallen leben und leiden müssen.

Diese auf Hochleistung gezüchteten Tiere - Masthühner - dienen nur der "Fleischgewinnung". Sie wurden auf schnelles Wachstum gezüchtet, mensch möchte viel Brustfleisches - da kommt das Wachstum der der Knochen und Gelenke kaum mit. Wegen ihres üppigen Brustmuskels können diese Hühner ihr Gewicht kaum tragen, viele entwickeln Beinschäden. Bei anderen vermag das Herz den überdimensionierten Körper nicht mehr mit Blut zu versorgen und es kommt zu Herz-Kreislauf-Versagen. In nur unfassbaren 35 Tagen erreichen die Tiere so das "Schlachtgewicht".

 

Wir könnten all diesen Tieren ihr Leid ersparen, würden wir aufhören, mit unserem Geld ihr Leiden und Sterben in Auftrag zu geben.